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Das April-Märchen 2021

Der Osterspaziergang

Auszug aus dem Buch:

Die Märchen-Omi erzählt:

"Berlin Du bist ne Wundertüte"

ISBN: 978-3-930768-65-3

 

 

Es war einmal auf einem österlichen Sonntags-Spaziergang, als die Mutter von Veronika ins Schwärmen geriet:

„Ostern ist das Fest der Auferstehung,

der Freude, des Neubeginns!

Sieh nur mein Kind, wie über der Natur ein sanfter, grüner Hoffnungsschimmer liegt, eine Ahnung, eine übergroße Freude und spannende Erwartung. Dies ist die schönste Zeit im Jahr!

Die gesamte Natur fühlt plötzlich einen Drang und eine unaussprechliche Schaffenskraft in sich.

Sie will etwas zeigen, etwas sehr Bedeutendes zum Ausdruck bringen!

Die Tiere kommen aus ihrem Bau heraus und stecken ihre vorwitzigen Näschen in die warmen Sonnenstrahlen.

Auch die Blumen öffnen schon vereinzelt ihre Knospen und schmücken sich mit ihren zarten, jungen Blütenblättern.

Schau nur, diese frischen Farben, dieses neue Grün! So unberührt zeigt sich die Natur nur in den allerersten Frühlingstagen.

Die kleinen gefiederten Freunde zwitschern nie wieder so unbeschwert und unbekümmert wie zum Osterfest.

Alle sind glücklich, nach dem langen Winter-Schlaf endlich wieder erwachen zu dürfen.

Es geht ihnen genau wie Dir wenn Du morgens nicht erwarten kannst Dein Bettchen zu verlassen und hinaus zu springen in einen neuen Tag, ein unbekanntes Abenteuer.

Sieh nur, dort hoppelt ein kleines, junges Häschen über das Feld.

Es bewegt sich ziemlich unbeholfen und schaut ängstlich in alle Richtungen.

Sicherlich sitzt irgendwo versteckt die Hasen-Mutter und beobachtet den ersten Spaziergang ihres Jüngsten äußerst besorgt.

Für so ein unerfahrenes Häschen ist das Leben nämlich äußerst beschwerlich, weil hinter jedem Gebüsch und jeder Hecke eine Menge Gefahren lauern. Auch ein unwissendes Häschen muss, genau wie ein Menschenkind, viel lernen bis endlich der Tag kommt, wo es seine Erfahrungen an die nächste Generation weitergeben kann.“

„Genau wie Omi, Opa, Paps und Du mir immer Eure Erfahrungen aufschwatzen wollt?

Ich finde diese aber überhaupt nicht nützlich, jedenfalls nicht für mich“ konterte Veronika und war überglücklich, endlich die langweiligen und poetischen Ergüsse der Mutter unterbrechen zu können.

„Übrigens, was ich Dich schon immer fragen wollte, Mami:

Warum sind die Menschen-Eltern eigentlich so unklug und erzählen ihren Kindern fortwährend alberne Geschichten, wie die vom Klapperstorch Osterhasen Nikolaus Weihnachtsmann oder sogar vom Christkind.

Ach, ich kann gar nicht alle Lügenmärchen aufzählen, die Du mir erzählt hast.

Als ich noch jünger war, hast Du mich mit diesen Schwindeleien richtig voll gestopft und jetzt benötigst Du wieder genau so viel Zeit, um mir wortreich zu erklären, dass alles nur Geflunker und nicht ernst zu nehmen war.

Warum hast Du mir nicht gleich die Wahrheit gesagt, das wäre viel einfacher gewesen und hätte Dir außerdem sogar noch eine Menge Zeit erspart.

Du jammerst mir doch pausenlos die Ohren voll, dass ich Dir zu viele Fragen stelle, obwohl Du keinen Grund hast, Dich darüber zu beschweren, weil Du mir ja ganz höchstpersönlich alle diese Unwahrheiten erzählt hast.

Ich glaube Dir die Flunkereien über die Hasen-Kinder, die in der Hasenschule lernen, wie man Ostereier bunt und lustig anmalt, übrigens auch schon lange nicht mehr.

Eier, die merkwürdigerweise wie ganz normale Hühnereier aussehen und sogar auch noch ganz genauso schmecken, obwohl sie Deiner Meinung nach von den Hasen fabriziert wurden!

Kein Hase hat je ein Ei gelegt, das haben wir bereits in der Schule im ersten Schuljahr gelernt.

Ich bin übrigens fest davon überzeugt, dass die Hasenmütter vernünftiger sind als die Menschen und ihrem Nachwuchs keinen Bären aufbinden sondern ihren Kindern erklären, wie sie sich vor Menschen mit einem Gewehr und vielen Hunden schützen müssen, denn das ist für das Überleben der kleinen Häschen von größter Wichtigkeit.

Sicherlich zeigen sie ihnen auch, wo schöne, saftige Kohlblätter wachsen!

Was aber noch viel vordringlicher ist, dass sie ihnen klar machen, wie sie aufpassen müssen, dass sie nicht erwischt werden, wenn sie fröhlich und unbefangen daran knabbern!

Die Menschen verstehen in dieser Hinsicht leider überhaupt keinen Spaß!

Alle lachen sich zwar über Häschen-Witze halb kaputt, jedenfalls Paps macht das, aber wenn er einen Hasen in unserem Garten sieht, dann lacht er überhaupt nicht, sondern bekommt eher einen Kohlpaps oder Kollaps oder wie das heißt.

Auf jeden Fall regt er sich dann immer sehr auf und muss sich anschließend sogar einen „Kleinen“ genehmigen!“

„Aber erlaube mal, das gehört ja nun wirklich nicht hierher“ rief die Mutter empört!

„Du solltest wirklich -------------“

„Bitte Mami, fall‘ mir jetzt nicht ins Wort sondern lass mich endlich auch einmal sagen was mir schon lange auf dem Herzen liegt.

Ich habe Dir vorhin auch zugehört, ohne Dich zu unterbrechen und mir hat Dein endloser Vortrag auch nicht gefallen.

Sei wenigstens fair und lass mich jetzt ausreden, denn später kann ich es nicht mehr, dann ist mein Kopf wieder ganz leer und alle Gedanken sind plötzlich weggefegt.

Das habe ich leider schon sehr oft erlebt!

Also, ich wüsste zum Beispiel gerne warum der Hase zu Ostern genau so verehrt wird wie der Weihnachtsmann zu Weihnachten!

Kannst Du mir das erklären?

Warum zieht man so eine Schau für ihn ab und stickt ihn sogar auf Tischdecken?

Omi hat jedenfalls wochenlang an so einem Ding gearbeitet, aber echte Freude macht ihr die Decke nicht, denn sie sitzt immer nur da und passt auf, dass ja kein Fleck auf ihr Meisterwerk kommt.

Ich fühle mich richtig unbehaglich unter diesen Blicken und kann den gestickten Oster-Hasen schon aus diesem Grund überhaupt nicht leiden.

Und dann noch etwas!

In allen Supermärkten und Geschäften gibt es Osterhasen und Eier aus Marzipan, Zuckerwerk, Schokolade und was weiß ich!

Freuen darf ich mich über diese Leckereien aber leider nicht!

Ich bekomme sie zwar von Euch geschenkt und muss sie auch noch albern suchen, aber dann steht immer einer hinter mir und passt auf, dass ich ja nicht zu viel davon esse, weil sie doch so schädlich für die Zähne sind!

Den Appetit auf andere Dinge verderben sie angeblich auch!

Ich will aber überhaupt keine anderen Dinge, sondern möchte Ostern endlich einmal so viele Ostereier essen, wie ich mag!

Schließlich ist nur einmal im Jahr Ostern!

Im Fernsehen in der Werbung sagen sie auch nichts von schädlich!!!

Ganz im Gegenteil! Sie zeigen nur glückliche Familien, die sich freuen und lachend Unmengen Süßigkeiten verschlingen und davon nicht krank werden, sondern Kraft und Energie bekommen!

Was stimmt denn nun??

Du machst doch auch immer alles nach und probierst aus, was in der Werbung gezeigt wird!

Warum darf ich das nicht?

Ich habe bisher gedacht, die Erwachsenen sind gescheit und halten sich an die Wahrheit!

Davon merke ich aber nichts in unserer Familie. Kann ja sein, dass es wo anders besser zugeht, aber meine Freundin hat dieselben Probleme und wenn das so weitergeht, dann rufen wir bestimmt bald das Kinder-Sorgen-Telefon an!

Wir sind nämlich ganz schön durcheinander durch das, was Ihr Erwachsenen uns erzählt und täglich selbst so anstellt!“

Die Mutter hatte vom Zuhören einen bedenklich roten Kopf bekommen und Veronika hielt sich daher auch wohlweißlich in einem beachtlichen Sicherheitsabstand von ihr auf.

Wenn Mutter nämlich so aussah, konnte es sehr leicht geschehen, dass ihr die Hand ausrutschte, das wusste sie leider aus Erfahrung.

Die Gelegenheit zum Fragen war aber viel zu günstig! Omi und Opa folgten nämlich in Reichweite und unterhielten sich äußerst lebhaft mit Paps auf diesem traditionellen Familien- Osterspaziergang.

Es musste schon ganz hart kommen, ehe Mutter sich jetzt vergaß, denn schließlich war Ostern ein Familienfest und da beherrschte man sich, ganz egal, wie es einem ums Herz war.

„Bitte, Mami, erkläre mir das doch endlich mit dem Osterhasen, bitte!“

„Aber das habe ich Dir doch schon am Anfang unseres Spazierganges begreiflich gemacht“ rief die Mutter verständnislos.

„Hast Du mir denn überhaupt nicht zugehört?

War mein Vortrag über das Erwachen der Natur vollkommen umsonst?

Habe ich Dir nicht von den kleinen, drolligen und liebenswerten Häschen erzählt, die fühlen und denken können, wie wir Menschen?

Hast Du etwa noch immer nicht begriffen, dass sie dann naturgemäß auch Schmerzen und Freude empfinden?

Darum feiern sie auch gemeinsam mit uns den Frühling und das Osterfest!

Ist das nicht Grund genug, sie zu ehren?

So etwas lernten wir früher in der Schule!

Wir hatten auch noch Respekt und Achtung vor unseren Lehrern und Eltern und beherzigten ihre weisen Ratschläge!

Wir glaubten ihnen, ohne so viel zu fragen!

Zu Deinem Verständnis will ich Dir aber gerne noch einmal etwas wiedergeben, was wir in der Schule gelernt haben!

Es passt gut zu unserem Gespräch, und zwar ist es ein Frühlings-Gedicht, das ich leider nicht mehr vollständig im Gedächtnis habe.

Folgende Zeilen sind mir aber unvergessen geblieben, weil sie auch meine innigliche und herzliche Verbundenheit zur Natur ausdrücken:

„Und wer nur eine Blumepflückt zum Scherz

 und schleudert sie dann von sich sorgenlos,

 der reißt ein Kind von seiner Mutter Schoß!“

„Dann hat Omi heute aber viele Kinder vom Schoß ihrer Mütter gerissen!

Schau Dich nur um, vorhin hatte sie noch einige Zweige und Frühlingsblumen in der Hand, aber dann hat sie alle weg geworfen, weil sie keine Lust mehr hatte, sie zu tragen und keiner sie ihr abnehmen wollte!

Sind eigentlich Verbote nur für Kinder gemacht?

Kein Wunder, dass alle Kids, wenn sie endlich groß geworden sind, immer das Gegenteil von dem unternehmen, was ihnen die Erwachsenen eingetrichtert haben!

Ich kann das gut verstehen!

Sicher werde ich auch einmal so handeln, denn ich möchte nie so werden wie Ihr Erwachsenen! Ganz bestimmt nicht!

Eine letzte Frage habe ich aber noch!

Es ist ganz bestimmt die allerletzte!

Was gibt es eigentlich heute so Besonderes zum Mittagessen?

Dies interessiert mich brennend, weil Ihr doch so sehr daran interessiert seid, dass ich mir auf gar keinen Fall den Appetit auf das tolle Osteressen mit den schlimmen Ostereiern verderben soll!“

„Natürlich Hasenbraten“ rief die Mutter genervt.

„Und bei Omi“ fragte Veronika verschüchtert.

„Lammbraten!

Du weißt doch, Opa verträgt nur ganz zartes, weißes Fleisch!

Er hat es mit dem Magen, das ist Dir doch bekannt“ entgegnete die Mutter gereizt.

„Hasenbraten“ kreischte Veronika empört!

„Ich habe mich wohl verhört?

Verehrst Du etwa so die allerliebsten, herzigen Häschen und die reizenden Lämmer, die fröhlich und ausgelassen auf der Wiese herum springen?

Du hast doch gerade wortreich erklärt, dass sie genau wie wir Menschen, Freude und auch Leid empfinden! Denkst Du überhaupt nicht an die Muttis dieser Tiere?

Kannst Du Dich nicht in ihre Lage versetzen und empfinden, wie unglücklich und verzweifelt sie sind, wenn ihre geliebten Kinder aufgegessen werden? Du und Omi, was fühlt Ihr dabei, wenn Ihr Euren Osterbraten in den Ofen schiebt?

Ich verstehe Eure Welt wirklich nicht mehr!

Eines weiß ich aber ganz gewiss:

Ich esse mit Euch heute kein Mittagessen!

Ich esse ein Likör-Ei!!!

Ich weiß zwar, dass ich das noch nicht darf, weil ich zu klein bin!

Wenn ich aber groß genug bin, um liebe, unschuldige, junge Häschen sowie Lämmer zu essen, dann bin ich auch erwachsen genug, um mir ein Likör-Ei zu genehmigen!

Das habe ich jetzt ehrlich verdient!

Paps sagt immer, er hat sich einen Likör verdient, wenn er einmal die Beherrschung verloren hat!

Ich bin jetzt auch mächtig in Erregung geraten!

Eure Likör-Eier werde ich natürlich ebenfalls essen, denn schließlich habe ich mich über Euch aufgeregt!

Es ist mir auch ganz egal, welche Folgen diese Dinger haben!

Mir ist sowieso alles schnurz piep egal, damit Ihr es nur wisst!“

Das kleine Mädchen hielt Wort, und in diesem Jahr endete in dieser Familie das Osterfest mit einem sehr hohen Verzehr von Likör-Eiern und dem Versprechen von Mutter und Großmutter:

„Im nächsten Jahr gibt es ganz bestimmt keinen Hasenbraten und auch kein Lamm sondern Fisch!!! ???“

„Aber das ist doch ebenfalls ein Lebewesen!

Versteht Ihr mich denn überhaupt nicht mehr“ schluchzte Veronika nun völlig verstört.

„Ich glaube, ich rufe morgen das Kinder-Sorgen-Telefon an, vielleicht sitzen dort ja Menschen, die mich verstehen,

.....hoffentlich!“

 

 

 

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