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Die Märchen-Omi erzählt:

Berlin Du bist ne Wundertüte,

ne ganz besonders dufte Blüte!

ISBN: 978-3-930768-65-3

Seiten 248, Fotos 2, Euro 9,90


 

Berlin, Du bist ne Wundertüte,

ne ganz besonders dufte Blüte.

Bist amüsant, sehr originell,

im Köpfchen helle super schnell!

Bist voller Witz und Temperament,

stets ausgeschlafen, nie verpennt!

Dein Herz ist groß wie Deine Klappe,

Dein Einfallsreichtum nicht von Pappe!

Bist rundlich wie der Wasserklops

und knautschig wie ein süßer Mops.

 

 

Vor allem bist Du prominent,

löst alle Fragen, bist patent!

Im Buch serviere ich darum frisch

nur Märchen, die „Berlinerisch“!

Berlin ist einfach grandios,

beeindruckend, brillant, famos,

darum gehör ich hier auch hin,

denn in Berlin ist alles drin!

 

In diesem Berlinerischen Buch werden ganz besondere Menschen geschildert, die auf den ersten Blick ein wenig kauzig, eigenbrötlerisch, verschroben, ja vielleicht sogar etwas spinnert daher kommen, in Wirklichkeit aber echte Berliner Originale sind.

Das Besondere an diesen „Berliner Pflanzen“ oder auch „Seltenen Vögeln“ aber ist, dass sie uns überall auf der Welt begegnen können, also nicht nur in Berlin. Sie nehmen nicht gleich alles krumm, lassen fünfe auch mal gerade sein und haben einen ganz eigenen Humor, der nur schwer zu beschreiben ist.

Diese „Berliner Urgesteine“ wurden zu einem bunten Strauß voll humorvoller, frohgemuter, amüsanter, unterhaltsamer, romantischer, urkomischer sowie auch recht märchenhafter Geschichten zusammengestellt, die auf jeden Fall interessant, faszinierend, reizvoll und aufregend sind.

Eine märchenhafte Kostprobe:

 

Die - Märchen - Omi

 

aus der Müller-Märchenstube erzählt:

 

Der gewissenhafte Laubenpieper

 

 

Es war einmal an einem heißen Sommertag.

Hotte kniete auf der Erde und rupfte im Schweiße seines Angesichtes Unkraut aus den Beeten und Wegen seines Heiligtums dem Schrebergarten.

Die Luft war drückend schwül und eine Invasion kampfesfreudiger, feindseliger Mücken zog enge Kreise um seinen Körper und versuchte verbissen, auf ihm zu landen, ihm das Blut auszusaugen und dicke schmerzende sowie unangenehme juckende Pusteln zu hinterlassen.

Hotte wurde von Minute zu Minute wütender, denn durch diese Angst einflößenden Attacken ging die Arbeit nicht so zügig voran, wie er es sich vorgestellt hatte.

Immer wieder musste er sich den Schweiß aus dem Gesicht wischen, der seine Augen verklebte und die Gummihandschuhe abstreifen, die er sich zum Schutz über die Hände gezogen hatte.

Leider versuchten aber nicht nur die Mücken, ihn aus der Luft anzugreifen und zu piesacken, nein auch Brennnesseln in jeder erdenklichen Größen-Ordnung machten sich in seinem Garten breit und eröffneten ebenfalls ein Feuer flammender und feuriger Feindseligkeiten gegen ihn.

Sie machten ihrem Namen alle Ehre und brannten grauenvoll auf der Haut, wenn man sie nur leicht berührte.

Hotte fühlte sich daher mit diesen Gewächsen ebenfalls in einem unerbittlichen Krieg und seine empfindsamen Nerven zerrten so heftig an ihm, dass er ernstlich befürchten musste, sie würden ihn über kurz oder lang in Stücke reißen.

Das alles hätte er ja gerade noch mit äußerster Willensbeherrschung ertragen können, wenn ihm nicht eine dritte Tortur gänzlich den Verstand geraubt und sein Blut zum Kochen gebracht hätte!

Während er sich nämlich wie ein Regen-Wurm auf der Erde fortbewegte, lag sein Nachbar Krause doch tatsächlich wohlig im Liegestuhl und ließ sich genüsslich von der Sonne bräunen und braten.

Hotte konnte bereits deutlich den Geruch von eingeöltem, zart gegrilltem Fleisch wahrnehmen und seine Nasenflügel bebten aus verhaltener Aggression, die sich langsam in seinem ganzen Körper ausbreitete.

Dazu kam ihm just in diesem Moment zu allem Überfluss auch noch der Bibelspruch:

 

„Die Sonne scheint auf

 Gerechte und Ungerechte“

 

in den Sinn, der ihn ebenfalls höllisch aufregte.

„Nein, so kann es auf keinen Fall weitergehen“ murmelte er halblaut.

„Ich bin doch nicht auf der Welt, um auch noch die Plage, Qual, Strapaze und Plackerei meines Nachbarn auf mich zu nehmen und aus der Welt zu schaffen.

Der darf sich doch nicht einfach in der Sonne räkeln, während ich mich zusätzlich noch mit seinem Unkraut abplagen muss, das meinen Garten bevölkert und sich bei mir wie zu Hause fühlt. Ich bin doch kein Depp, ich kenne mich in der Welt aus und verlange Gerechtigkeit!

Diese Ungerechtigkeit kann ich einfach nicht ohne Widerspruch hinnehmen!“

Hotte riss noch aufgebrachter und gereizter die Brenn-Nesseln aus der Erde und überlegte nun krampfhaft, wie er Krause endlich dazu bringen konnte, sich zu besinnen, was seine verdammte Pflicht und Schuldigkeit war!

Leicht und beschwingt ertönten jetzt auch noch „Berliner Melodien“ aus dem Kofferradio.

Krause sang mit einer nicht zu überhörenden, froh gestimmten und leider nicht mal übel klingenden Stimme flott und munter mit:

Untern Linden, untern Linden

gehen spazieren die Mägdelein.

Wenn Du Lust hast, anzubinden,

dann spaziere hinterdrein!

 

„Ja, das könnte Krause so gefallen, sich jetzt fidel und aller Sorgen ledig, an die flotten Mädchen ranzupirschen, wenn auch nur gedanklich.

Das ist eine unverzeihliche Zuwiderhandlung, die nach schonungsloser Bestrafung schreit.

Bienen und Fliegen ist es erlaubt, im Garten zu summen aber dieses Gesetz gilt keinesfalls für meinen gut gelaunten, aufgekratzten Nachbarn.

Der verstößt einwandfrei gegen die Moral aller Natur liebenden Gartenbesitzer!

Radio-Musik und menschliches Gebrumme sowie Gesumme verdrängt bekanntlich den melodischen Vogel-Gesang, das Zirpen der zarten Grillen, das Summen der Bienen, Rauschen der Bäume und überhaupt alle harmonischen friedlichen Töne in der freien Natur!

In meinem Garten will ich neue Kräfte sammeln, genesen, regenerieren und entspannen!

Ich glaube, das nennt man heute Relaxen!

Jawohl, das will ich und das kann ich auch verlangen, das steht mir zu!

Also Schluss mit den üblen und unerquicklichen Missklängen“ schnaubte Hotte wütend!

Krause dachte aber überhaupt nicht daran, sich natur- und artengerecht zu benehmen.

Er öffnete nun auch noch geräuschvoll eine Bier-Dose und ließ nach einer kleinen, wohltuenden Ruhepause die Luft weithin hörbar durch die Speiseröhre sowie aus seinem geblähten Bauch wieder genussvoll entweichen.

Hotte erregte sich über dieses gesetzwidrige Benehmen so sehr, dass er wild um sich schlug und tatsächlich auf seinem entblößten Oberkörper mit schallendem Geklatsche fünf Mücken auf einen Schlag erledigte.

„Nun, das ist ein Anfang“ freute er sich.

„Das tapfere Schneiderlein hat zwar 7 Fliegen auf einen Streich getroffen, aber sieben Mücken schaffe ich heute auch noch spielend, wenn sich Krause weiterhin so zermürbend, stressig und aufreibend benimmt.

Er ist wirklich eine lästige Nervensäge, bedeckt einfach mit einer Sonnenbrille seine Augen und verhält sich, als gehe ihn sein eigenes Unkraut überhaupt nichts an.

Unkraut setzt sich nun mal unausweichlich, unkalkulierbar und unabänderlich über jeglichen Ordnungssinn der Menschen hinweg und blüht und grünt einfach gedankenlos dort, wo es ihm gerade passt.

Es ist ohne Respekt und Achtung vor der Arbeit eines Gartenbesitzers.

Es wuchert sogar durch Krauses Maschendraht-Zaun und überfliegt respektlos die oberhalb befestigte Stacheldraht-Abgrenzung.

Unkraut ist sehr böse und muss daher vernichtet werden, wo immer es angetroffen wird und es ist die heilige Pflicht eines jeden Menschen, seinen Garten sauber und rein zu halten, bevor er sich auf einen Liegestuhl legt, um den Feierabend zu genießen“ wetterte Hotte nun noch entrüsteter.

Nach einer unheilvollen, schweigenden Gedenk-Minute beendeten schlurfende Schritte auf dem Kiesweg abrupt die laut gedachte Gedankenkette von Hotte und er sah voller Schrecken Krause auf sich zukommen.

Dieser hielt eine Dose Bier in der Hand und schaute interessiert und begierig auf den zu einer beachtlichen Höhe aufgetürmten Unkrautberg.

„Darf ich“ fragte er sehr höflich und ohne eine Antwort abzuwarten, stopfte er die Brenn-Nesseln in eine große Plastiktüte, die er sich extra für diesen Zweck mitgebracht hatte.

„Sie sind doch einverstanden“ lachte er dann gut gelaunt, drückte Hotte die Dose Bier in die Hand und meinte dann gönnerhaft: „Ist doch gar kein schlechter Tausch, dafür hat sich die Arbeit doch gelohnt, oder?

„Heiliger Strohsack“ stöhnte Hotte.

„Was wollen Sie mit meinem Unkraut, doch nicht etwa wieder in Ihrem Garten einpflanzen?“

„Witzig, witzig“ spöttelte Krause.

„Nein, das nicht, aber ich werde mir sofort damit einen Tee aufbrühen.

Ich bin nämlich krank geschrieben, weil ich, na ja, es ist mir schon ein bisschen peinlich, Blasen- und Harnprobleme habe.

Mein Hausarzt hat mir unter anderem als gutes Hausmittel „Brennnessel Tee“ verordnet.

Ich habe mich auch sofort mit einigen Packungen eingedeckt, aber der Apotheker meinte, dass frisch gepflückte Brenn-Nessel-Pflanzen ein absoluter altbewährter Knüller sind. Sie sind sozusagen ein Volltreffer der Natur und können die Heilung um ein Vielfaches beschleunigen.

Wie ich nun voller Freude und Genugtuung sehe, haben Sie im Schweiße Ihres Angesichtes für mich diese Heilkräuter gesammelt.

Das ist einfach genial und zeugt von einem guten Nachbarschaftsgeist!“

„Heilkräuter?“ stammelte Hotte völlig außer sich und starrte Krause ungläubig an.

„Ja, und es sind sogar junge Pflanzen dabei, die besonders wertvoll sind, weil sie noch nicht geblüht und daher alle Kraft in ihren Blättern gespeichert haben.

Sie sind ein Schatz, ein richtiger Glücksfall für mich!“

Hotte öffnete die Dose Bier, trank sie mit einem Zug leer und stammelte verständnislos:

„Soll ich die Brenn-Nesseln ab jetzt für Sie etwa in meinem Garten züchten?

Vielleicht auch noch pflegen, täglich begießen und die blühenden Pflanzen dann in einer Vase gefällig drapieren?

Da sind Sie aber schief gewickelt Krause denn das ist natürlich Quatsch mit Soße!

Ich bringe die Pflanzen wie immer auf den Misthaufen, denn da gehören sie hin!

Und Sie sind für mich nichts weiter als ein alter Klugscheißer!

Ich falle auf Ihr Gefasel jedenfalls nicht herein!

Brenn-Nesseln sollen Heilpflanzen sein!!!

Nein ehrlich, so einen Blödsinn habe ich wirklich noch nie gehört!

Morgen früh werde ich aber als erstes meinen Apotheker aufsuchen!

Ich werde ihn ausführlich befragen, was bei Blasenschwäche zu tun ist, so auf natürlichem Wege und ich bin gespannt, was der mir erzählt!

Das wird bestimmt ein Gaudi!

Morgen lieber Krause, sprechen wir uns wieder!

Jawohl Krause, morgen!

Jetzt gehen Sie mir aber endlich aus der Sonne, Sie haben mich nämlich lange genug von der Arbeit abgehalten!“

Damit entfernte sich Hotte abrupt und auch Krause drehte seinem uneinsichtigen Nachbarn das Hinterteil zu und bewegte sich wieder in Richtung Liegestuhl.

Hotte ließ sich nach diesem aufwühlenden Gespräch einige Tage nicht mehr in seinem Garten sehen und es war ihm nur recht, dass der Wind jetzt die Samen seiner Brenn-Nesseln auch zu Krause hinüber wehte.

An einem der darauf folgenden Sonnentage jedoch geschah ein Wunder!

Beide Nachbarn lagen friedlich nebeneinander auf dem Liegestuhl und ließen der Natur freien Lauf.

Der Brenn-Nessel wurde nun Achtung und Ehre erwiesen und sie pflegten, hegten und ernteten zusammen die kostbaren Pflanzen.

Anschließend schlürften sie sogar friedlich den frisch zubereiteten, bekömmlichen, heilkräftigen und gesundheitsfördernden Tee ihrer „Heiligen“ Heilpflanzen.

„Am Ende geht es doch immer nur darum dass jeder rechtzeitig den Unterschied von Unkraut und einer Heilpflanze erkennt“ murmelte Krause sehr dankbar.

„Alles Weitere

ergibt sich dann ganz von selbst!“

 

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