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Die klimperkleinen Zapfenwichtel

Auszug aus dem Buch:

Die Märchen-Omi erzählt:

Friedolin, der fröhliche Märchen-Frosch

ISBN: 978-3-930768-61-5

 

 

Für die kleinen Märchenfreunde: 

Es war einmal ich glaube, so ungefähr mitten im Monat Februar, als sich der Märchen-Bär auf seinem vertrauten Stammsitz, einem recht arg verwitterten, urigen Baumstumpf niederließ und gutgelaunt sein bärenstarkes Brummen ertönen ließ, damit seine Freunde wussten, dass es wieder etwas sehr Wichtiges zu beratschlagen gab.

In der Zwischenzeit, bis die ersten Waldbewohner eingetrudelt waren, machte er sich jedoch erst einmal winterfest, indem er seine roten Ohren-Wärmer, die er unter dem schwarzen Bären-Hut trug, fest über beide Ohren zog, damit ihm der kalte Winter-Wind seine Horcher nicht blutrot oder sogar blitzblau einfärben konnte.

Es war nämlich überraschend sehr kalt geworden und obwohl sein Baumstumpf gut geschützt unter einem dick mit Schnee bedeckten Kastanienbaum stand, der dicht von Tannen- und Kiefernbäumen umgeben war und der Wind ihm daher nicht so um die Ohren pfeifen konnte wie auf dem freien Feld, fröstelte er doch recht arg.

Zur Belustigung seiner rund um ihn stehenden Nadelbaum-Zuschauer plusterte er daher sein Fell fachmännisch auf, indem er seine Backentaschen prall mit Luft füllte, diese ein wenig anwärmte, gezielt durch seine gespitzten Lippen wieder wie eine wohlig warme Frühlings-Brise ausatmete, um sie dann durch sein dichtes Winterfell zu pusten.

„Ach ja“ seufzte er erleichtert.

„So eine erholsame kleine Eigen-Massage tut gut, hoffentlich lassen sich meine Zuhörer noch ein wenig Zeit, damit ich mich richtig in Form und auf Trab bringen kann.“

Leider war dem Märchen-Bären diese Ruhepause aber nicht mehr vergönnt, denn etwas äußerst Urkomisches kreuzte sein Blickfeld, raubte ihm die Konzentration und ließ seinen gerade frisch eingeatmeten und mühsam angewärmten Luft-Strom wieder aus dem Mund entweichen.

Voller Staunen ließ er seine Futterluke so lange offen, bis sich die Zähne schneeweiß färbten, kalt wie eine Eis-Scholle am Nordpol anfühlten und wie eine Windmühle zu klappern begannen. Ein federleichter Schneeflocken-Regen, der sanft vom Kastanienbaum herunterschwebte und sich wie eine daunenweiche Kaschmir-Decke um ihn schmiegte, beruhigte ihn schließlich wieder und er betrachtete nun stolz seinen neuen weiß melierten Pelzmantel.

Für einen kleinen Augenblick fühlte er sich fast genau so berühmt wie sein Kollege aus dem Eis, der mit vielen Preisen ausgezeichnete Buch- und Filmstar Knut, dem er jetzt tatsächlich zum Verwechseln ähnlich sah.

Das schneeweiße Bärenfell beunruhigte einige Krähen aber so sehr, dass sie echauffiert und laut krächzend die Wipfel der Bäume umkreisten. Bestimmt hätten sie vor Schreck und Erregung über kurz oder lang auch noch die Fassung sowie ihr Gleichgewicht verloren und wären entnervt auf die Erde gepurzelt, wenn nicht ein starker Wind-Stoß dem Spuk wieder ein Ende bereitet hätte.

Nun saß wieder der normale und im Märchenwald beliebte Braunbär auf dem Baumstumpf und schaute verwundert in den Himmel weil er sich den plötzlichen Lärm und das aufgewühlte erregte Flügelschlagen der Krähenschar nicht erklären konnte. ‚Das liegt ganz sicher an meinen schicken und eleganten Ohren-Wärmern’ brummte er amüsiert.

‚Hätte niemals gedacht, dass ich damit so viel Aufsehen errege, aber das flammende Rot meiner Klappen signalisiert der Umwelt sicher Frohsinn, Begeisterung und Heiterkeit. Hallo, wie komme ich eigentlich auf diese Charakterzüge? Ich kann die Wärmekissen für meine Horcher doch überhaupt nicht sehen und doch beschreibe ich die Farbe gerade so genau, als ob ich sie direkt vor Augen hätte. Ach ja, ich kann mich wieder erinnern!

Irgendetwas hatte meine Gefühlswelt vor ein paar Minuten völlig durcheinander gebracht und ich kann nur hoffen, dass es nur ein Fantasie-Gebilde war, das mich narrte, weil mein Gehirn trotz der Ohren-Schützer durch einen Luftzug zu stark durchgepustet wurde.

O weh, ich habe mich doch nicht geirrt, denn leider sehe ich noch immer unzählige verworrene und wild durcheinander huschende, leuchtend rote kleine Irr-Lichter vor mir. Ob der wilde Winter- Wind einige Glückskäfer, die in der Kastanie überwintert haben, herab geweht hat?

Nein, ich glaube doch eher, ich halluziniere, denn obwohl hier unter der Kastanie nur ein einziger Fliegenpilz wohnt, sehe ich jetzt auch noch ganz klar und deutlich etliche dieser Pilze um den Baum schleichen. Ich bin närrisch geworden, denn karminrote Flämmchen auf kurzen Beinen, die herumirren, sich gegenseitig anrempeln, umfallen und wieder aufstehen, um dann das ganze Spiel noch einmal von vorne zu beginnen, sind mir in meinem langen, aufregenden und abenteuerlichen Bären-Leben noch nicht begegnet.

Vielleicht vertreiben sich diese mir unbekannten Wesen ja nur ein wenig die Langeweile, spielen Verstecken oder ein neues, verrücktes Spiel, das ich noch nicht kenne und es besteht daher auch überhaupt kein Grund zur Beunruhigung.

Oder etwa doch? Nein, das kann ich mir nicht länger ansehen! Ich muss diesem Spuk ein Ende setzen, sonst verletzten sich diese unbeholfenen Winzlinge noch ernstlich.

Ich muss mir gleich so einen roten Irrwisch schnappen, wenn er etwas näher kommt und in Ruhe anschauen’ beendete der Bär sein Selbstgespräch.

Er verhielt sich mäuschenstill, um die mysteriösen Lichtgestalten nicht zu erschrecken oder zu verscheuchen und tatsächlich, die rätselhaften kleinen Kerle kamen immer näher und einige purzelten sogar vor seine Füße, so dass er sich nur ein klein wenig bücken musste, um einen der roten Unruhestifter in seinen Pfoten zu halten.

„Potz Bär“ lachte er belustigt.

„Das ist ja ein echter, mopsiger, pummeliger, kugeliger und ausgereifter Kienapfel! Oder etwa nur eine Täuschung?

Nein, ich kann deutlich erkennen, dass der Zapfen-Wichtel über Beine, Arme und ein Gesicht mit einer Knubbel-Nase verfügt, auf dem Kopf eine lange, glutrote Zipfel-Mütze trägt, deren Spitze bis auf die Erde reicht und in einer Hand einen leuchtend roten Fliegenpilz mit Tupfern balanciert.

Ich glaube, ich kann jetzt auch erahnen, warum die klitzekleinen Kerle pausenlos hingefallen sind, ihre Mützen sind viel zu lang, sie müssen ja bei jedem Schritt darauf treten und stolpern. Allerdings könnten sie ja ihre Augen aufmachen und besser aufpassen! Nein, das gibt es doch nicht! Die Gucker sind vollständig bedeckt, die Mütze ist bis zur Nase heruntergezogen. Was bedeutet dieser Unsinn?“

„He kleiner Wicht“ brummt der Bär bestürzt.

„Was immer Du hier treibst, ich will Dich mit meinen großen, unbeholfenen Pfoten auf keinen Fall verletzten oder Dir wehe tun, aber könntest Du vielleicht Deine Kopfbedeckung ein ganz klein wenig hochziehen und mir mal kurz in die Pupillen schauen?“

„Wieso, kannst Du mich etwa sehen?

Das ist doch völlig unmöglich“ entrüstete sich ein feines, aufgebrachtes, ja beinahe entsetztes Stimmchen.

„Warum sollte ich Dich nicht wahrnehmen“ staunte der Bär.

„Deine kleine signalrote Zipfelmütze leuchtet doch so klar und hell wie ein Glühwürmchen in einer Sommernacht.

Du und Deine kleinen Gesellen sind nicht zu übersehen, selbst ein halbblinder Maulwurf kann Euch erspähen, so viel Licht strahlt Ihr aus. Es funkelt und blitzt auf dem Waldboden genau so hell und geheimnisvoll wie hoch droben am nachtblauen Firmament.

Allerdings mit einem kleinen Unterschied: Am Himmel leuchten die güldenen und silbernen Sterne. Ich weiß aber nicht, was den Boden unter mir zum Glühen bringt!“

„Aber, das ist doch überhaupt nicht möglich“ stotterte das kleine Kerlchen noch immer völlig verwirrt und verstört.

„Du kannst mich überhaupt nicht sehen, denn ich sehe Dich ja auch nicht! Wer bist Du eigentlich?

Bist Du etwa ein Hellseher, Zauberer oder Magier?

Du kannst nur eine übernatürliche Erscheinung sein, denn Du kannst Unsichtbares erblicken!“

„Nein, das ist weder eine unerklärliche Zauberei, wundersame Begebenheit noch ein Mysterium oder Rätsel, sondern ein völlig einleuchtender, logischer Vorgang“ lächelte der Märchen-Bär. „Zieh Deine Strick-Mütze ein wenig hoch, dann wirst Du mich erkennen, denn Du hast mich schon etliche Male neugierig beäugt.

Als Du noch bei Deiner Mutter im Kiefern-Baum baumeltest und zum Glück noch nicht hektisch durch den Wald geirrt bist, hast Du mich immer mit einem kecken Augenzwinkern gegrüßt, Du kleiner, rot bemützter Zapfen-Wichtel.“

„Was, Du kannst mich trotz meiner Zipfelmützen-Tarnkappe erkennen? Keiner kann das, keiner!

Verrate mir endlich, wer Du bist, ich bekomme schon Fracksausen, Gummibeine und eine ganz schrumplige Haut vor Angst“ bettelte der fipsige Kienapfel-Knirps.

„Ich bin doch der Märchen-Bär mit den feuerroten Ohrenklappen unter dem attraktiven, sportlich-feschen, rabenschwarzen Bären-Hut. Ich ziehe meine Kopfbedeckung aber nicht über meine Augen, weil ich Dich dann nämlich nicht in Augenschein nehmen könnte.

Also, lass den Unsinn und bugsiere Deine Mütze nach oben, damit Du mir in die Augen schauen kannst, Kleiner.“

„Das geht nicht, die Mütze ist doch festgeklebt.

Da der wilde Winterwind schon einige Tage wild herum tobt, wir aber auf unseren Weihnachts-Marsch auf keinen Fall verzichten wollten, hat Professor Uhu unsere Zipfel-Mützen fest gekleistert, damit sie uns nicht wegwehen.

Außerdem hat er versprochen, dass sich die Kopf-Bedeckungen durch diesen raffinierten Trick in echte Tarn-Kappen verwandeln und uns völlig unsichtbar machen.

Von diesem Zauber-Kunststück kann er uns allerdings erst wieder in einer Vollmond-Nacht erlösen, so lange müssen wir nun leider warten. In ein paar Tagen ist es aber wieder so weit, dann ist Vollmond und wir werden erlöst.“

 

 

„Und Ihr glaubt wirklich allen Ernstes, dass Euch keiner sehen kann, wenn Ihr ihn nicht sehen könnt?“

 

entsetzte sich der Märchen-Bär.

„Na klar, in dem schlauen Menschen-Buch, in das wir vorher einen Blick werfen durften, steht es doch schwarz auf weiß, dass der Vogel Strauß bei Gefahr den Kopf in den Sand steckt, um für seine Feinde unsichtbar zu werden.

Das ist doch noch viel unangenehmer, dagegen ist unsere Methode doch spitzenmäßig, oder?“

„Aber das ist doch nur eine ganz dumme Lügen-Geschichte, Du treuherziger, gutgläubiger Zapfen-Wichtel“ beruhigte ihn der Bär und streichelte ganz vorsichtig und liebevoll mit der Rückseite seiner kräftigen Bärentatze über das Köpfchen seines ratlosen, klitzekleinen Freundes.

„Der Vogel Strauß ist überhaupt nicht so dumm, seinen Kopf bei Gefahr in den Sand zu stecken, das haben ihm die Menschen nur angedichtet. Er sucht ganz normal seine Nahrung im Erdreich und weil er so einen langen Hals hat sieht es ein wenig komisch aus wenn er sich bückt.

Darum haben die Menschen ihm diese Redensart aufgehalst, ans Bein gebunden oder in die Schuhe geschoben! Es ist also nur ein Schabernack, auf den Ihr hereingefallen seid.

Was mache ich aber nun mit Dir und Deinen Kumpeln, Ihr seid ja völlig außer Atem, total erschöpft und durchgefroren.

Kann ich überhaupt mit Euch reden, Eure Zipfel-Mützen bedecken die Ohren doch genauso wie die Augen, wie soll ich mich bemerkbar machen?“

„Mach Dir darüber mal keine Sorgen, ich habe jedes Wort verstanden“ besänftigte der Steppke den Märchen-Bären.

„Auch meine Brüder sind jetzt ganz entspannt und locker, denn sie haben alles mitbekommen, was Du gesagt hast.

Wir können uns zwar nicht sehen, aber wir fühlen und verstehen uns trotzdem.“

„Nun, wenn das so ist, dann ruht Euch erst einmal ein wenig aus“ lachte der Märchen-Bär.

„Ich werde jetzt sanft einen nach dem anderen hochheben und in mein warmes, weiches Winter-Fell setzen, denn dort seid Ihr sicher, behütet und beschützt. Anschließend trage ich Euch dann ganz vorsichtig nach Hause, denn Ihr seid jetzt meine Schützlinge und ich bin Euer Schutzpatron.

Bitte, verratet mir zum Schluss aber noch warum jeder von Euch einen leuchtend roten Fliegen-Pilz mit weißen Punkten in den Händen hält!“

„Na, das sind doch kleine Glückspilze“ riefen im Chor die klimperkleinen Zapfenwichtel.

 

„Die Glückspilze sowie unsere gesamte Wichtel-Tracht wurde übrigens in der Werkstatt der Zwerge Wichtel, Kobolde, Gnome, Trolle sowie Hutzel-Männchen entworfen sowie hergestellt. Sie haben uns so herausgeputzt und dadurch uns klimper-kleine unscheinbare Kienäpfel in märchenhafte Glücksbringer verwandelt.

Wir bekamen für unsere Verwandlung auch noch handgestrickte, lange rote Zipfel-Mützen, woll-weiße Rauschbärte aus Schafwolle und natürlich rote Fliegen-Glückspilze mit weißen Punkten in die Hand gelegt.

Die Schafwolle für die dichten vollen Backenbärte wurde übrigens extra gewellt und gekräuselt und unsere Jacken und Mützen haben die Zwerge mit rotem Beerensaft eingefärbt, erst dann konnten sie in stundenlanger Kleinarbeit in erdbeerrote Woll-Jacken sowie leuchtend johannesbeerrote Zipfel-Wichtel-Mützen verwandelt werden.“

„Die lustigen Glückspilze hättet Ihr auf dem Weihnachts-Probemarsch aber doch besser zu Hause lassen sollen“ brummte der Märchen-Bär.

„Ihr konntet ja nicht einmal Eure Hände benutzen, um Euch zu orientieren, wo ein Baum im Weg steht oder gar ein dicker Bär herumsitzt. Auf jeden Fall hat Euch der Uhu mit seiner Flunkerei einen dicken Bären aufgebunden.

Das ist Euch doch wohl klar, oder?“

„Sagst Du uns jetzt auch wirklich die Wahrheit“ fragte die kleine Schar bestürzt.

„Aber natürlich, ein Märchen-Bär lügt niemals!

Er ist immer aufrichtig, ehrlich und hilfsbereit zu allen schwachen und hilfsbedürftigen Geschöpfen, wenn sie einmal in der Klemme stecken oder gar in seinem Fell hocken. Jetzt dürft Ihr aber nicht mehr traurig sein, denn für mich seid Ihr die lustigsten, liebenswertesten und drolligsten Gesellen, die mir je begegnet sind.

Alle Pflanzen, Tiere und Menschen werden sich riesig freuen, wenn sie Euch erblicken.

Ihr seid wirklich herzige Glücksbringer und wer Euch sieht, muss einfach froh gestimmt und guter Dinge sein.

So, und jetzt bringe ich Euch zum Uhu!

Er muss sofort die angeklebten Mützchen mit seinem Spezial-Wundermittel lösen und Euch wieder erlösen. Es kommt überhaupt nicht in Frage, dass wir damit bis zur Vollmondnacht warten, das sind nur dumme Flausen, die Ihr überhaupt nicht ernst nehmen dürft.“

„Was sind dumme Flausen? Wir kennen nur Flusen, aber die meinst Du doch sicher nicht“ erkundigten sich neugierig die klimperkleinen Zapfenwichtel.

„Nun, Flausen sind Dummheiten, Spinnereien, Unsinn, Albernheiten und einfach nur Unfug und Quatsch.

Sucht Euch das schönste Wort davon aus, alle sind richtig und meinen dasselbe. Ich hoffe, Ihr habt das verstanden und alle, die dieses Märchen hören oder lesen, ebenfalls!“

Und so geschah es, dass der Märchen-Bär nicht nur mit seinen roten Ohrenklappen bei den Wald-Bewohnern große Bewunderung erregte, nein, auch sein Abenteuer mit den klimperkleinen Zapfenwichteln, das er natürlich jetzt auf jeder Weihnachts-Feier erzählen muss, wurde ein echt großer Glanzpunkt und Knüller!

Außerdem waren sich alle einig, dass diese Geschichte niemals in Vergessenheit geraten darf!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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